Melnik und Roshen-Kloster

Melnik ist eines der kleinsten und zugleich eines der bezauberndsten Städtchen Bulgariens (unter Denkmalschutz). Es liegt verborgen in den niedrigsten, südwestlichen Falten des Pringebirges und vereint in sich die Erinnerung an eine blühende Vergangenheit mit pastoraler Gemütlichkeit inmitten einer einmaligen Natur. Seine Anfänge liegen in der Thrakerzeit. Dann haben Römer und später Slawen die Ortschaft in ein bedeutendes Religions-, Kultur- und Verwaltungszentrum verwandelt. Ende des 6. Jh. haben die Slawen ihm dann seinen heutigen wohlklingenden Namen gegeben.

Nach dem 7. Jh. gehörte es bereits zu Bulgarien. 1215 war es die Hauptstadt des unabhängigen Despoten Alexios Slav, einem Bojaren dieser Gegend und Neffen Zar Kalojans. Nachdem Bulgarien unter osmanische Herrschaft gefallen war, verfiel das Städtchen zusehends, gelangte in der Wiedergeburtszeit des 18. und 19. Jh. jedoch wieder zu neuer Blüte. Hauptnahrungsquelle war die Herstellung von vorzüglichen Weinen in den um die und unter der Stadt selbst liegenden Sandsteinkellern. Dadurch wurden die Einwohner recht wohlhabend und ließen sich große, reich geschmückte schöne Häuser bauen und nutzten auch einen Teil ihres Reichtums für Bildungszwecke. Ihr Nationalbewusstsein war stets sehr hoch. Hier wurde der große Aufklärer und Kämpfer für seine Heimat Emanuil Vaskidovitsch geboren, gearbeitet haben hier auch andere große Persönlichkeiten jener Zeit wie Neofit Rilski und Hristaki Pavlovitsch.

Nach der Befreiung vom osmanischen Joch verblieb Melnik unter türkischer Herrschaft und verfiel mehr und mehr. Die neuen Grenzen unterbrachen seine althemelnik_bulgaria_at_nightrgebrachten Verbindungen zur Ägäis und zu Vardar-Mazedonien. Eine große Rolle hat darüber hinaus auch die Reblaus gespielt, die zu Beginn des 20. Jh. die berühmte Melniker Rebensorte vernichtete. Und obendrein wurde die Stadt dann während des Ersten Balkankrieges fast völlig niedergebrannt. 1912 befreite Jane Sandanski mit seiner Schar Melnik, doch von den einst 12 000 Einwohnern waren gerade mal noch knapp 1000 übrig geblieben. Derzeit hat Melnik ca. 500 Einwohner und ein großes Potenzial zur Entwicklung des Tourismus. Die Überreste seiner einstigen Größe reichen aus, um in die Atmosphäre von einst eintauchen zu können. Großen Eindruck machen die alten Melniker Häuser, deren Architektur sich in die sie umgebende Natur so wunderbar einfügt. Die Größe der Häuser, deren Reichtum und außergewöhnliche Keller und das Gespür des Bulgaren für das Praktische und Schöne bringen sie einem sehr nahe. Die bemerkenswertesten von ihnen sind: Kordopulovata, das größte Wohngebäude auf der Balkanhalbinsel aus der Wiedergeburtszeit des 18./19. Jh. mit einzigartiger Glasmalerei an den Fenstern und einem riesigen Weinkeller; Boljarskata (das byzantinische Haus), ein wertvolles Baudenkmal aus dem Mittelalter, das älteste in unserem Lande erhaltengebliebene Wohnhaus jener Zeit; Paschovata, in dem derzeit das historische Stadtmuseum sein Domizil hat; Velevata  und wie sie alle heißen mögen. Von Interesse sind auch die Überreste des Nikola-Klosters aus dem 12 Jh., die der Slavova-Festung aus dem 13./14. Jh., die römische Brücke, das alte türkische Bad und die Überreste von mehreren Kirchen, von denen es einst ganze 75 gegeben hat.

Melnik liegt inmitten von phantastischen, sehr ungewöhnlichen Sandsteinpyramiden, die nicht nur in Bulgarien zu den interessantesten Naturphänomenen gehören, sondern auf der ganzen Balkanhalbinsel. Die kleinen Flüsse in diesem Gebiet haben sich tief in den nur lockeren Sandstein eingegraben, Wind und Wetter haben ein Übriges getan, und so sind schließlich diese wunderbar eigenwilligen und bizarren Gebilde entstanden, die aussehen wie gotische Kirchen, Türme und Säulen, wie Pilze, Fischflossen und was man sonst in sie hineinlesen mag. Das hier ist ein wahres Paradies menschlicher Einbildungskraft und Phantasie.

Melnik liegt 20 km von Sandanski entfernt und ist über eine 12 km lange Asphaltstraße mit der Fernverkehrsstraße Sofia – Athen verbunden. Regelmäßig verkehren Busse nach Petritsch, Sandanski, Blagoevgrad und Sofia. Der nächste Bahnhof ist Damjaniza an der Bahnstrecke Sofia – Kulata – Athen und 12 km entfernt. Auch bis dahin fahren regelmäßig Busse.

Recht abwechslungsreich sind hier die Übernachtungsmöglichkeiten und natürlich ist auch für Essen und Trinken gesorgt. Viel Bequemlichkeit bietet das große Hotel und Restaurant Melnik in der Stadtmitte. Bevorzugt werden allerdings eher die  Familienhotels in den alten Häusern, die die Gemütlichkeit eines Eigenheims und typisch bulgarische Kochkunst bieten. Hier sollen einige davon genannt werden: Lumparov-Haus, Usunov-Haus, Miluschev-Haus, Rodina. Jedes von ihnen bietet originelle Landesküche. Am billigsten übernachten kann man in der Touristenherberge in dem altertümlichen Paskalev-Haus. Es gibt auch ungefähr 20 andere Privatquartiere.

6 km nordöstlich von Melnik liegt das historische  Roshen-Koster. Gegründet wurde es 1217 und später mehrmals geplündert und niedergebrannt. Die jetzige Kirche stammt aus dem Jahre 1600, erneuert 1732. In dieser Zeit sind auch die meisten Wandmalereien entstanden. In der Klosterkirche sind noch Wandmalereien von 1597, 1611 und 1715 zu sehen. Die Wandmalereien des Roshen-Klosters und einige der Ikonen am Ikonostas sind außerordentlich wertvolle Kunstdenkmäler. Ein ganz besonderes Geschenk für jeden noch staunenden Besucher sind die wunderschönen, zarten Holzschnitzerein an Ikonostas und Lesepult. Die unbekannten Holzschnitzer haben hier ein Stück aus ihrem Herzen in diese unwahrscheinlichen Werke hineinverwoben, und das in einer so weit zurückliegenden Zeit. Zu erkennen ist die Hand der Kunstschulen von Debar und Samokov. Im Kloster hat es auch eine Kaligraphieschule gegeben, deren Vertreter (Mönche) eines ihrer Bücher mit 117 Ajourminiaturen versehen haben. Leider wurde dieses Buch bereits 1647 nach Jerusalem gebracht. In seinen letzten Lebensjahren hat hier der große bulgarische Revolutionär Jane Sandanski Zuflucht gefunden. Sein Grab ist ganz in der Nähe, und zwar vor der auf seine Initiative hin außerhalb des Klosters errichteten Kyril-und Methodi-Kirche.

Bis zum kleinen Dorf Roshen unmittelbar unterhalb des Klosters  fahren Busse von Sandanski aus. Bis nach Melnik gelangt man außer auf der Chaussee noch in 1 – 1,5 Stunden Fußmarsch auf einem markierten Wanderweg, der direkt durch die Melniker Pyramiden führt – ein wirklich ungewöhnliches Erlebnis!

Von Roshen führt ein anderer markierter Wanderweg bis zur Berghütte Pirin (6 – 7 Stunden). Im Kloster selbst kann man übernachten, und im Dorf sind mehrere volkstümliche Lokale, in denen man sich an typischer lokaler Küche und dem berühmten Melnier Wein erlaben kann.

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